Dabei sind Fenster nicht nur "lichtdurchlässige Öffnung in verschiedenen
Ausführungen, seit alters wichtiges Element bei Gebäuden" wie es in
einem Lexikon zu lesen war.
Ein Fenster ist eine Schnittstelle zwischen der inneren und der äußeren
Welt. Gleichfalls auch eine Kontaktstelle.
Man kann hinaus und manchmal auch hinein sehen.
Sie schützen vor Kälte, dienen zur natürlichen Belichtung und Belüftung,
sind Wetterschutz, Wärmeschutz, dienen sogar zur solarer
Wärmegewinnung, sind Sonnen- und Sichtschutz, Schallschutz,
Brandschutz und zuletzt auch zum Schutz gegen Einbruch und ggf.
Beschuss.

Das Wort Fenster stammt aus dem Lateinischen: fenestra.
Der gotische Begriff war windauga (Windauge), althochdeutsch heißt es
augadoro (Augentor).
Ursprünglich waren es ovale oder rechteckige Öffnungen in der Wand,
die mit Häuten, Leinenstoff oder Pergament bespannt wurden, um
Witterungseinflüsse zu verringern.
In Sakralbauten wurde in die Öffnungen eine dünne, durchscheinende
Scheibe aus Alabaster eingesetzt.
Bei den heutigen Fenstern werden meist transparente Glasfüllungen verwendet.
In der Antike wurden Fenster und deren Einteilungen meist nach den
Proportionen des goldenen Schnittīs gebaut.

Es gibt Thermenfenster die auf die römische Architektur zurück führen,
in der das Fenster wegen seiner Größe insbesondere zur Belichtung der
Thermenanlagen Anwendung fand. Es wurde auch diokletanisches
Fenster genannte, ist halbkreisförmig und wird durch zwei senkrechte
Pfosten in drei Zonen unterteilt. Dieser Typus fand auch Verwendung im
Barock, speziell bei Palladio, im Historismus und im Jugendstil.

Das Bogenfenster, bei dem in größeren Wandöffnungen, bei traditioneller
Mauertechnik echte Bögen notwendig waren um die Last der darüber
liegenden Wand zu tragen.
Das Bogenfenster entwickelte sich vom Rundbogen der Romanik über
den Spitzbogen der Gotik zu vielen weiteren Typen wie Korbbogen,
Ellipsenbogen und Segmentbogen.
Man findet das Bogenfenster im Barock, Rokoko und im Jugendstil.

Beim Maßwerkfenster wurden bei Kirchenbauten der Gotik zusätzlich mit
filigranem Mauerwerk gestaltet, dem Maßwerk, das in die Fensteröffnung
eingebaut war und auch Aufgaben eines steinernen oder
schmiedeeisernen Fensterrahmens übernahm. Maßwerkfenster waren in
der anfänglichen Ausführung als bunte Bleiglasfenster ausgearbeitet und
essentieller Bestandteil der gotischen Raumkonzeption in Sakralbauten.
In der Renaissance wurde das Fenster bei entsprechender Größe durch
einen senkrechten Stab aus Stein gestützt und teils durch einen weiteren
waagerechten Stab, was dann das so genannte Steinkreuzfenster ergab.

Weiter gibt es noch das Gotisches Chorfenster, das Blindfenster,
das Sprossenfenster, das Bleiglasfenster, das Einfachfenster,
das Doppelfenster, das Kastenfenster, das Kastendoppelfenster,
das Verbundfenster und was weiß der Himmel noch für welche.

Das soll hier aber keine kunsthistorische Abhandlung über Fenster
werden aber vielleicht etwas bewusst machen, was dieser wenig
beachtete Gebrauchsgegenstand eigentlich darstellt und warum er
für mich so bemerkenswert ist.

Trotzdem muss ich hier das Fensterzubehör noch kurz erwähnen,
dazu gehören Fensterbänder, Beschläge, Oliven (den Fenstergriff),
Fensterbretter, feste oder bewegliche Sonnenschutz- und
Verschattungsanlagen, Jalousien, innen- und außenliegend.

Und natürlich Fensterläden, sie sind zumindest für mich ein besonders
wichtiges Gestaltungselement der Fassaden, die aber auch Wetter-,
Sicht-, Sonnen-, und Einbruchsschutz bieten.
Fenster sind demzufolge unbedingt ein interessantes Thema und wenn
jetzt auch noch das Faktum Zeit, Alter, Verfall dazu kommt,
dann sind sie durchaus würdig, gemalt zu werden.
Ein Fenster an dem der Zahn der Zeit genagt hat, ist für mich wie
ein Portrait eines Menschen der sein Leben gelebt hat. Eine alte
Fassade ist folglich ein Gruppenbild, ein Familienportrait.
Genauso wie ein altes Gesicht Geschichten erzählen kann, kann das
Bild eines Fensters Geschichten erzählen, Neugierde wecken und sogar
Besorgnis erregen.

Das Motiv Fenster sehe ich wie ein Fotograf der Wirklichkeit
dokumentiert um nachdenklich zu stimmen oder auch wach zu rütteln.
Nur ich male es in Öl, gebe dem Bild einen Rahmen und möglicherweise
somit die Wichtigkeit die es tatsächlich besitzt.


 
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