Und so weiß ich heute, dass die informelle Malerei zurück zu führen ist
auf die Begriffsprägung: signifiance de l'informel (Bedeutung des
Formlosen), die wiederum von dem französischen Kritiker Tapié stammt.

Es gab wohl viele unterschiedliche Künstlergruppen, die sich der
gegenstandslosen Malerei, Grafik und Skulptur verschrieben hatten.
Ihre Auffassung von Kunst stand im Kontrast zu der Malerei der
geometrischen Abstraktion, die sich durch abgegrenzte Formen und
feste Kompositionsregeln ausdrückte.
Die informellen Künstler wollten frei ihre Gefühle darstellen und
erfundenen Zeichen, Farbrhythmus, Strukturen unterschiedlicher
Materialien, die sie mit Farbe mischten, auf der Leinwand festhalten.
Das sollte automatisch geschehen, ohne geistige Vertiefung.

Und die Definition von verwandten Begriffen wie dem Sammelbegriff
Art autre , (franz., "andere Kunst"), dem Tachismus und dem abstrakten
Expressionismus sollte ich dann lieber den Kunsthistorikern anvertrauen.

Für mich ist wesentlich wichtiger was z.B. Dr. Martin Stather, der Leiter
des Mannheimer Kunstvereins über meine informellen Arbeiten sagte.
Hier ein Auszug:
Auf den ersten Blick scheinen die Bilder von Enno Folkerts Feinstrukturen
wie etwa unter dem Mikroskop zu enthüllen, das Innere einer Zelle oder
Kleinstlebewesen darzustellen. Schwarze Linien, die sich einschnüren,
verästeln, Flecken bilden und der darunterliegenden Farbigkeit
sozusagen ein Gerüst bieten, prägen die Fläche, lassen manchmal die
Assoziation an Landschaften aufkommen. Verfolgt man die Linien, die
Farbflächen begrenzen, durchschneiden, sie umfangen, mit anderen
Worten: folgt man dem Fluß der Ereignisse im Bild, entdeckt man
schnell Harmonien, zarte Übergänge, aber auch Gegensätzliches.

Oder auch:
Bei Enno Folkerts wird die immer wieder überraschende Stofflichkeit
der verwendeten Materialien zum Zeichen dafür, dass abstrakte Kunst
die Natur nicht vergisst, sondern sie auf einer tieferen spirituellen
Ebene neu erfahrbar macht.
Prof . Dr. Roman Heiligenthal

Und hier noch:
Betritt man das Atelier von Enno Folkerts wird einem als Betrachter
schnell offenbart, dass dieser Künstler weder kraftvolle Farben, noch
große Formate scheut.
Viele seiner Werke bestehen aus mehreren, übereinanderliegenden
Farbschichten, die durch die zusätzliche Überlagerung der verschiedenen
Formen und Ebenen eine einmalige Transparenz und Tiefe entwickeln.
Unverkennbar steht der größte Teil seiner Arbeiten im Kontext mit
den "Abstrakten Expressionisten", den "Informellen" und den "Pop
Artisten" und somit auch mit den Traditionen berühmter Maler wie
Mark Rothko, vor allem Emil Schumacher aber auch von Robert
Rauschenberg.
Enno Folkerts bekennt sich selbstbewusst zu den Einflüssen, die diese
Maler auf ihn ausübten und immer noch ausüben. Die Entscheidung zum
Anschluss an diese künstlerischen Ideen hat etwas Altmodisches und
gerade deshalb Modernes, den heutigen Trends Widerstehendes an
sich, was sich unverkennbar in seinen Bildern widerspiegelt.
Von den Betrachtern wird einiges gefordert. Sie sollen sich auf die
Bilder einlassen, sich der visuellen Prägnanz und der komplexen
Eindeutigkeit von Folkerts Arbeiten hingeben.
Dann eröffnen die Gemälde, die durch die Kraft der Kompromisslosigkeit
leben, eine geistige Energie, sowie Hingebung, Toleranz und
Behutsamkeit. Dadurch vermögen die Bilder auch, ihre komplexen
Geschichten zu "erzählen". Wie durch Gardinen vor einem Fenster
blickt das Auge plötzlich durch die obere Schicht auf eine tiefere,
darunterliegende Ebene und stößt auf das Vor- und Innenleben des
Bildes. Dies gilt sowohl für die großformatigen und großzügig angelegten
Werke, als auch für die kleinen Formate und sogar für Folkerts Aktbilder
und seine fotorealistischen Arbeiten.
Alle Arbeiten von Enno Folkerts interpretieren und symbolisieren die
Brüche unseres Lebens, die nur selten funktionierende Balance zwischen
Alltag und Hoffnung, Gelingen und Versagen und Farben und Formen.
Und so wird die Inszenierung zwischen Farbe und Struktur in den
Arbeiten von Folkerts auch zu einer Inszenierung unseres eigenen
Lebens. Eine Inszenierung, die ein stilles Schweigen auszulösen
vermag, denn angesichts der Gleichzeitigkeit von Präsenz und
Aufhebung der Wirklichkeit und ihrer im selben Moment vorsichtigen
Infragestellung, geht es umīs Ganze. Es geht um Leben und Tod,
um Sinn, Glauben und Hoffnung.
Und diese Gedanken bringt Enno Folkerts erlebbar in seine Arbeiten ein.
Das Menschliche und beruhigende an diesen Bildern ist, dass sie
angesichts solcher grundlegenden Ängste und Hoffnungen Suchbilder,
Weg-Bilder sind, Bilder die uns begleiten können.

Lisa O'Connor. Agentur "Freiraum"



 
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