……an zwei- und dreiteiligen Bildern zu arbeiten, bei denen ich die nun
entstandenen Stoßkanten kurvig geschnitten habe, was allerdings genau
diese faltenfreie Bespannung erschwerte. So entwickelte ich Bilder, wie
”Spaltung” ”Delirium” und ”Yachthafen”, die jeweils ein oder zwei
senkrechte Spalte von etwa 2cm aufweisen. Diese Spalte sind allerdings
nur bei linearer Betrachtung gerade. Schaut man hingegen aus einem
schrägen Blickwinkel auf das Bild, entstehen durch den kurvigen Schnitt,
leichte, optische Verbiegungen, die den Betrachter dazu verleiten sollen,
sich das Bild aus verschiedenen Blickwinkeln anzuschauen.

Bei den nächsten Bildern ging ich dann dazu über, auch die Außenkanten
des Bildes kurvig zu schneiden, um diese mit bemalen zu können und um
damit einen Bilderrahmen überflüssig zu machen. Hinzu kommt, dass sich
auf der jetzt ”bewegten” Bildoberfläche, subtile Farbwertveränderungen
ergaben, die ebenfalls dazu verleiten sollen, sich die Arbeit aus
verschiedenen Blickwinkel anzuschauen.

Bei weiteren Experimenten montierte ich dann erstmals Äste auf den
Rahmen bevor ich diesen mit dem Malgrund Nessel bezog und bemalte.
Hinzu kam jetzt die Eingebung, die Äste und den Malgrund mit grober
Kordel zu vernähen und dann erst zu grundieren.
Im Gegensatz zu ”Gabelung”, meiner ersten von mir sogenannten
”Näharbeit” bei dem eine Astgabel verwendet wurde, wurden bei
”Kreuzweise” eben zwei Äste kreuzweise auf den Grundrahmen montiert.
Das setzt eine gewisse vertraute Beziehung zu Werkzeugen, wie etwa zu
Stechbeiteln voraus, um die Äste so auszuklinken, damit sie auch
problemlos auf dem Rahmen befestigt werden können.
Da Äste nun mal sehr krumm und überhaupt sehr eigenwillig wachsen,
können hier Lineal oder Winkel als Hilfsmittel nicht verwendet werden.
Man ist also auf genaues Augenmaß angewiesen.

Nachdem jetzt Drippings aufgetragen wurden, erfolgte die
Hintergrundfarbgebung in mehreren Lasurschichten.
Die nun entstandenen, verformten Oberflächen, die je nach
Lichtverhältnissen und Betrachtungswinkeln ebenfalls subtile
Farbwertveränderungen vorweisen, wurden dann fast kontrapunktierend,
mit wenigen, schnellen, schwarzen Pinselstrichen sozusagen
beschrieben, um so einerseits aufzulockern aber um auch andererseits
eine gewisse Spannung zu erzeugen.
Bei den beiden Bildern ”umgarnt” und ”verstrickt” ging ich noch einen
Schritt weiter, indem ich den Malgrund um die montierten Äste herum
spannte und vernähte. So entstand ein Spalt, den ich mit einem Stück
Baumrinde unterlegte.



 
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